Gemeinwohl vor Einzelinteressen.

Gemeinwohl vor Einzelinteressen.

Ich konnte es während meiner gut 20 Jahre Berufserfahrung in der Lokalredaktion schon viele Dutzend Male erleben: Ist ein Kandidat erst Bürgermeister, Landrat oder Abgeordneter, wird er plötzlich heiß umschwärmt. „Wichtige Leute  zeigen dem neuen Mann oder der neuen Frau im Amt plötzlich, wie viel sie von ihm oder ihr halten. Da braucht es dann schon einen festen Charakter, um dieser Charme-Offensive nicht zu erliegen. 

Tagtäglich, das ist beim Bürgermeister ebenso wie beim Unternehmer, klopfen Menschen an, die überzeugt davon sind, eine richtig gute Idee dabei zu haben. Die Kunst ist es dann, sich von keiner Schöntuerei blenden zu lassen, sondern jedem Vorschlag auf den Grund zu gehen. Taugt er was? Bringt er die Gemeinde weiter? Wem nützt es, wem schadet es? Wie wirkt sich die Maßnahme kurz-, mittel- und langfristig aus? Was kostet´s, was bringt´s? Nur so kann ein Entscheidungsträger gewährleisten, dass er das Richtige für das Gemeinwohl tut, statt sich – absichtlich oder ohne Absicht – vor den Karren von knallharten Einzelinteressen spannen zu lassen. 

Entscheidungsträger ist bei uns der Gemeinderat. Da diese Frau und diese Männer den Job aber ehrenamtlich machen, steht es ihnen zu, dass jemand die beschriebene Vorarbeit – sie hat in der Regel viel mit Recherche, Gründlichkeit, Verständnis, Interesse, Erfahrung und Neugierde zu tun – für sie vorab leistet und ihnen die entscheidungsrelevanten Aspekte ordentlich und rechtzeitig auf den Tisch legt. Das ist die Aufgabe von Bürgermeister und Verwaltung.